40. Woche: Wieder Richtung Norden – Ankunft in Siracusa

Es geht weiter Richtung Siracus. Am Anfang noch direkt am Meer entlang, später begegnet es mir aber immer wieder und bleibt in Sichtweite. Ich lege einen Zwischenstopp im wunderschönen Noto ein.  Und bin froh über etwas Unterstützung auf dem letzten Stück nach Siracus.

Als ich am Strand losgehen will, werde ich wieder mal daran erinnert, dass nucht alle Leute der Natur hier wohlgesonnen sind. Es ist zuweilen erstaunlich, was so alles am Strand oder überhaupt am Wegesrand zurückgelassen wird. Hier teübt es jedenfalls mal wieder die Strandidylle.

Der nächste Stop ist dann mal wieder ein richtiger Ort. Pachino ist in quadratischer Struktur aufgebaut, mit nettem Hauptplatz,  der allerdings gerade gebaut wird.

Auf dem Weg entlang der Küste komme ich dann in Capo Passero vorbei und hier einer eigentümlichen Kirche und dem „Garten des Friedens“, und an einem alten Verteidigungstum auf einer vorgelagerten Felseninsel.

Das nahe gelegene Schlösschen scheint heute ein Hotel zu sein. Die Ruine daneben war dagegen eger mal eine Fischfabrik. Der Schornstein deutet sowas an.

Meinen Pausenstopp lege ich diesmal gezielt am Strand ein. Diesmal gönne ich mir einen Sonnenschirm mit Liege. 🏖 Die Mittagssonne knallt ganz schön auf dem Kopf. Ich bekomme eine Preisreduzierung, da ich nur eine Liege brauche, Kalle muss also im Sand stehen 😉.

In die Stadt Pachino geht es nochmal an Flamingos und einer riesigen Hecke Orleander vorbei 😍.

Ich sehe Orleander immerboch als Sehnsuchtsstrauch für südliches Flair an. Er steht für mich vor allem symbolisch dafür, nach der Wende endlich in den Süden fahren zu können und hier „blüht überall Orleander“. Zuhause ist der ja schwer über den Winter zu bringen.

Nach Pachino geht es zurück ans Meer. Ich starte zur Stadt hinaus hinab Richtung Meer. An einem alten Steinbruch vorbei komme ich nach einigen Melonenfeldern und nochmals Flamingos nach Marzamemi, ein ehemaliges Fischerdorf.

Marzamemi ist schön anzusehen aber heute ein reiner Touriort mit Restaurants, Läden und Strand. Ein kurzer Abstecher lohnt sich dennoch. Der Ortsteil San Lorenzo, wo ich meine Unterkunft habe, ist nur die Verlängerung von Marzamemi. Ich verzichte auf eine zweite kleine Pause und ziehe durch bis zu meiner Unterkunft. Bei dem Wetter will ich vor allem ankommen und mein Gepäck abschmeißen. Das erfrischende Bad am Abend lasse ich mir aber nicht nehmen. Auch hier nur Sommerurlaubshäuser und das Meer.

Es stand nun ein längerer Tagesmarsch von über 21 km an, Ziel die Stadt Noto. Mehrfach wurde mir nahegelegt, diese schöne Stadt zu besuchen. Mach ich dann halt.

Der erste Teil des Weges sollte durch ein Naturreservat verlaufen, anschließend zum Lido di Noto und dann „nur“ noch die Straße entlang in die Stadt. Soweit der Plan.

Am Eingang zum Park lag ein Hund, der sich mir anschloss und sich auch nicht abschütteln ließ, oder der aufgrund meiner Ignoranz ihm gegenüber wieder zurück ging.

Es ging über gute Wege bis zu einer Lagune. Am Zaun stand auf einem Schild noch „Achtung, der Weg ist gelegentlich überflutet“. Das sagte das Wandernavi auch, das ließ aber auch den Schluss zu, es würde schon gehen. Der Hund und ich machten uns also dennoch auf, es sollte etwa 100 Meter weit sein, bis es laut Karte wieder trocken sein müsste. Müsste eigentlich zu schaffen sein. Dachte ich.

Es fing knöcheltief an und ging zunächst recht gut. Aber nach ca. 25 Metern stand das Wasser bei mir schon an der Wade. Nach weiteren 10 Metern Handbreit unter dem Knie. Dem Hund allerdings bis zum Kinn. Er war strickt dagegen weiter zu waten und stellte sich quer vor mich. Da es mehr und mehr zugewachsen und immer tiefer wurde beschloss ich doch umzudrehen. Es wird einen anderen Weg geben.

Also wieder zurück. Auf dem steinigen Weg irgendwie einen Platz finden um die Füße zu trocknen. Nun hatte der kleine Kerl sich aber überall Minikletten eingefangen und wand sich im Gebüsch und auf dem Boden. Es fehlte nicht viel und er würde anfangen zu jaulen.

Eigentlich agiere ich nicht mit Hunden, damit sie mich in Ruhe lassen. Aber er tat mir irgendwie Leid. Also bedeutete ich ihm, er solle zu mir kommen, ich hatte beschlossen ihm ein bisschen zu helfen.

Ich habe also zumindest am Kopf und Hals und vor allem an den Ohren die Kletten abgefriemelt. Er legte sogar den Kopf bei mir ab. Wir wussten beide in dem Augenblick, dass wir uns gegenseitig vertrauen können. Nach einer Weile hat ich das gröbste an den Ohren geschafft, aber wir mussten aus der Sonne raus.

Schuhe an, auf zum nächsten Baum. Ich hab mich nochmal hingesetzt und noch ein paar weitere Kletten entfernt. Der Rest würde mit der Zeit rausgehen, wenn sein Fell wieder trocken war. 

Nun musste ich aber einen neuen Weg suchen. Die Lösung hieß am Strand entlang.  Also wieder ein Stück zurück und zum Strand.

Mittlerweile wurde aber der Boden immer heißer. Ich sah wie sich der kleine Kerl immer etwas länger im Schatten aufhielt und seine Pfoten leckte. Aber wir waren fast da. Zaun hoch und ab. (Natürlich war das Reservar zum Strand hin abgezäunt.) Am Strand waren dann die Körbe und Bälle anderer Besucher für den Hund interessanter und er spielte scheinbar Fange mit den Leuten, die ihre Sachen retten. Ich habe mich x-mal entschuldigt und mehrfach versucht zu erklären, daß ich dafür nix könne und dies zudem nicht mein Hund sei. Das schien anscheinend plausibel genug, niemand war mir böse, dass mit mir dieser Hund auftauchte und ich absolut nix unternahm.

Ich ging meiner Wege am Strand entlang und war ein bisschen froh, den Hund abwimmeln zu können. 😉

Nun musste ich aber noch nach Noto. Mein Zeitplan war etwas in Schieflage geraten und das Navi zeigte für den Weg nochmal ein ganzes Stück Lagune an. Ich entschied mich dafür, Richtung Straße zu laufen. Auf der Karte sah es einigermaßen ok aus. Und ich hoffte darauf, daß jetzt zur Mittagszeit nicht allzuviele Autos fahren würden.

Eine Zeit lang konnte ich neben der Straße eine kleine Nebenstraße bzw. die alte Bahnstrecke entlang laufen. Aber das Glück sollte ein Ende kennen. Die Strada Provinciale war hier ziemlich gut ausgebaut und die Autos fuhren ziemlich schnell. Und es gab an der Stelle keinen Seitenstreifen wo ich einigermaßen gut laufenkonnte.

Und ich hatte noch über 7,5 km.

Meine Lösung bestand diesmal darin das Hotel zu kontaktieren und zu fragen, ob  sie ein Taxi schicken können. Die Rezeption würde sicher jemanden kennen….

Es funktionierte, es kam ein Taxi und für 30 Euro war ich bequem und sicher im Hotel angekommen.  😊

So hatte ich Zeit und Muße für eine Abendrunde durch Noto.

Mein erster Punkt in Noto war wieder eine Rundfahrt mit dem Touri-Zug. Es ist eine lustige und angenehme Art eine Innenstadt zu erkunden. Es war eine schöne Runde mit vielen schönen Eindrücken von Noto mit den vielen schönen Barockfassaden, die auch heute noch gerade an den kleineren Häusern sehr schön sind. Und ich habe erfahren,  daß hier auch einige hauptsächlich itaienische Filme und auch  Serien gedreht wurden. Zum Beispiel wurde „Indiana Jones und das Rad des Schicksals“ teilweise hier gedreht, aber auch Serien wie „the White Lotus“ und einige Folgen der Krimireihe „Kommissar Montalbano“, die auf Sizilien spielt.

Auf dem Weg zur Stadtrundfahrt durch die Hauptstraße hab ich noch eine weitere Kirche besichtigt. Ich hatte mir am Vorabend ein Sammelticket für die 4 Hauptkirchen gekauft, das galt es nun abzuarbeiten 😉. Hier fand gerade der Gottesdienst für eine Beerdigung statt und so huschte ich hinauf zum Glockenturm,  den ich mit meinem Ticket besichtigen konnte. 

Die Wendeltreppe war schmal und man musste gut aufpassen. Aber oben eröffnete sich ein schöner Ausblick über Noto und das Umland bis zum Meer.

Als ich dann noch eine Etage höher neben den Glocken stand war unten die Messe vorbei und der Sarg wurde herausgetragen. Glockengeläut direkt neben mir! 3 Glocken läuten das letzte Geleit ein… 2x! Hätte man drauf kommen können, wenn unten gerade ein Trauergottesdienst stattfand. Die Aussicht ist dennoch schön.

Nach meiner Rundfahrt ging es, ausgestattet mit einem leckeren Panino, zurück ins Hotel

Auch hier in Noto ist es in der Mittagssonne fast nicht zum aushalten und schattige Plätze sind rar.

Im Hotel hab ich meinen Platz und ein Bett zum ausruhen 😊.

Am Abend wollte ich mir noch die gestalteten Treppen und einige schöne Fassaden ansehen. Gedacht-Getan. Ein schöner lauer Sommerabend wird mit einem Kaffee und Likörwein abgerundet.

Meine Wanderung ging am nächsten Tag wieder zurück ans Meer. Der Weg ging weitgehend über kleine Nebenstraßen, zuerst etwas hinauf aber dann relativ sachte abwärts, zunächst zu meinem Mittagsstop in Avola. Die Suche nach einem schattigen Plätzchen gestaltete sich etwas schwierig. Es gab zwar genug schattige Bauminseln auf dem Hauptplatz aber die Bänke hat man davon weit genug weg platziert, um nicht im Schatten zu sitzen und Mittags werfen nicht mal die Häuser genug Schatten. Die Sonne steht einfach nur über einem. Es wurde dann eine Bar, an der ich eine kühlende Granita di Limone orderte. Den Rest vom gestrigen Panino aß ich eher verdeckt 😉.

Der Ort war zur Mittagszeit fast wie ausgestorben. Einige Arbeitende suchten die Bar für ein kleines Mittag auf, einsame Touristen trotteten fast ziellos über den Platz. Es ist warm und alles hat zu, selbst die Kirche. Nur die Bar mit etwas Eis und Kaffee war offen…

Ich saß unter dem Sonnenschirm mit Blick über den Platz und machte in Ruhe Pause.

Zum Nachmittag dann weiter in mein Domizil in Gallina. Ich hatte mir eine Unterkunft mit angeschlossenem Ristorante ausgesucht (also vielleicht ist es eher umgekehrt, ein Ristorante mit angeschossenem B&B). Nebenstraße bis dorthin und dann Querstraße zur Unterkunft – so der Plan. Dann ist da aber mal wieder der eine Italiener mit dem Tor an der Straße, das den Weg versperrt…

Der herausgefunde Weg funktionierte mal wieder nicht.  Aber es gibt dann noch den italienischen Opa, der einen mitnimmt. 😉 So kam ich doch an mein Ziel.

Nun sollte hier heute eine Hochzeitsfeier stattfinden. Geschlossene Gesellschaft,  Restaurantbetrieb geschlossen. Auch hier hatte ich Glück.  Ich bekam eine Portion Pasta und Salat und Getränke „takeaway“ und aß mit Blick aufs Geschehen auf meiner Terrasse. 🤗

Am nächsten Tag wurde es zunächst etwas unangenehm. Wegen der fehlenden Brücken über den kommenden Fluss musste ich ein ganzes Stück auf der Hauptstraße entlang. Ohne echten Seitenstreifen kamen mir Autos, LKWs und Busse entgegen. 

Aber nach knapp 3 Kilometer durfte ich abbiegen und die ruhige Nebenstraße führte mich an den Strand von Fontane Biance. Liege mit Schirm gebucht, Pause. Hier bekam ich leider keine Ermäßigung, weil ich ja nur eine Person bin und musste den vollen Preis für zwei Personen, für zwei Liegen bezahlen. Also bekommt mein Rucksack sein eigenes schattiges Plätzchen. 

Am Nachmittag wieder weiter auf der Straße nach Arenella. Hier war ich nun schon in einem Vorort von Siracus. Der Vermieter wollte mir noch Tipps geben, was man in der Gegend noch alles ansehen kann. Einiges davon hatte ich nun schon erledigt, den Rest davon lass ich aus. Es ist für die Leute hier schwer vorstellbar, dass man  ohne Auto unterwegs ist und somit nicht ohne Not irgendwelche Dörfchen besucht.

Ich konnte mir von 2 Zimmern eines aussuchen und da das erste im Nebenschuppen soweit für eine Nacht ordentlich aussah, sah ich keinen Grund in die erste Etage meinen Rucksack hoch und dann am nächsten Morgen wieder runter zu tragen. Zumal da schon der Putz neben dem Bett abgefallen war.

Hätte ich mich mal anders entschieden.  Denn zunächst kam ca. alle 20 Minuten der altersschwache Humd vorbeigetrottet, und ließ sich nur schwer verscheuchen. Der Vermieter war allerdings wieder weg, nur der Hund nicht.

Als die Sonne langsam unterging, hab ich dann mal die Tür noch geschlossen,  in der Hoffnung, möglichst keine Insekten ins Zimmer zu lassen. Weit gefehlt. Mit zunehmender Stunde kamen nicht nur irgendwelche Käfer zum Vorschein, von denen ich einige aber noch beseitigt habe. Auch unzählige Fliegen, die sich um die Lampen versammelten zieren nun Wände, Decke und Möbel. Bis zum bestimmten Punkt alles irgendwie machbar, aber nicht, wenn es zuviel wird und die Viecher auch auf dem Bett rumlaufen. Mich eckelte es nur noch. Zum Glück fand ich spontan zu später Stunde eine Ausweichunterkunft. Ohne Insekteninvasion im Zimmer und baulich auch in besseren Zustand. Aus 3 Minuten Fußweg wurden dann zwar 9, weil mal wieder eine Straße versperrt war… Aber ich konnte beruhigt schlafen. 

Letzte Etappe nach Siracus. Der Hauptstraße überdrüssig suchte ich zunächst einen Weg am Meer entlang. Ich wollte ein kleines Stück bis zu einem Strand an der nächsten Landzunge laufen und dann mit dem Vorortbus fahren.

Aber meine Motivation zum Laufen hielt sich allerdings arg in Grenzen. Ich traf am Uferweg Alexander aus Potsdam und wir unterhielten uns spontan nett bei einem Caffé. Sein Angebot, mich mit dem Auto in die Stadt mitzunehmen nahm ich gern an. Ich konnte dann sogar früher in die Wohnung.  Also ein entspannter Weg.

Am Abend noch eine Runde durch die Altstadt.  Ich gönnte mir eine Runde mit dem Ape, das wollte ich schon immer mal machen. Einen ersten schönen Eindruck von der Altstadt hatte ich nun also auch.

In der nächsten Woche mache ich Siracus weiter unsicher und reise dann mit dem Zug weiter nach Catania. Und ich besuche den Etna.

Eine Antwort zu „40. Woche: Wieder Richtung Norden – Ankunft in Siracusa“

  1. Avatar von UB
    UB

    Liebe Julianevielen Dank für deinen wunderbaren REise-Blog! Deine interessanten Abenteuer sind wirklich inspirierend. Die interessanten und tollen Bilder fangen nicht nur die unterschiedlichen Stimmungen an den örtlichkeiten ein, sondern lassen mich auch die Düfte der Landschaften förmlich riechen. Besonders das eine Bild, auf dem man dir deine Anstrengung ansieht, zeigt, wie viel Herzblut du in deine Reisen steckst.

    Ich schätze Deinen Aufwand und die Zeit echt sehr, die du in das Schreiben deines Reise-Blogs investierst, um uns an deinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Das verdient meinen herzlichen Respekt und grossen Dank dafür!Deine Erlebnisse wecken Sehnsucht und Fernweh in meinem Herzen. Ich kann es kaum erwarten, mehr von deinen Abenteuern in Italien zu lesen!

    Alles Liebe und GuteUrs

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I’m Juliane

Ich bin Juliane und das ist mein Wander-Tagebuch. Ich bin in der Mitte meines Berufs-Lebens einfach mal losgelaufen und habe meinen Bürojob auf Pause gesetzt und die Wanderschuhe angezogen. Von Berlin soll es nun bis in den südlichsten Absatz von Italien gehen… hier könnt Ihr lesen, wie mir das gelingt.

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