38. Woche: Weiter an der Südküste – Gela, Ragusa und San Giorgio

Die Woche beginnt mit dem Ende des Wellnesses in San Leone. Das erste Mal richtig baden im Meer. Es geht dann weiter an der Südküste Siziliens. Zunächst nach Gela, danach nach Ragusa. Hier erlebe ich die Feierlichkeiten und Prozessionen für San Giorgio mit. Ein Feuerwerk an Eindrücken.

Am Sonntag Entspannung pur im Hotel und am Strand. 2x Schwimmen im Meer und ich bin gerade noch ohne Sonnennbrand aus der Sonne gekommen. Ich habe zum Glück „Doposole“ (Aftersun) im Gepäck und kann mich direkt eincremen. 

Am Montag geht es weiter. Über Agrigento erfolgt meine Weiterfahrt nach Gela. Der Hotel-Barkeeper hat mir noch den Tipp gegeben ab Agrigent den Bus statt die Bahn nach Gela zu nehmen, das geht schneller uns ohne Umsteigen. Wir fahren also mit dem Bus durch die Obst- und Gemüseabteilung der sizilianischen Landwirtschaft. Die Gegend ist voll mit Obstplantagen, in denen Wein und anderes unter Zeltplanen und Vogelschutznetzen wächst. Und wenn gar nichts mehr geht, dann wachsen noch Olivenbäume.  Die Gegend wird ansonsten flacher und karger.

Dass der Busfahrer auch mal auf freier Strecke anhält kurz und erst nach kurzem Motorneustart weiterfährt, irritiert hier niemanden. Also mache ich mir auch weiter keine Gedanken darüber, solange die Einheimischen ruhig sind. Auch dass wir mal eben noch tanken. Wenn der Tankwart sich dann im laufenden Betrieb neben der Zapfsäule sich allerdings erstmal eine Zigarette anzündet, wird mir schon kurz anders. Aber auch das irritiert hier niemanden.

Ich komme gut in Gela an und fahre noch ein Stück mit dem lokalen Bus und komme schließlich an meiner Unterkunft direkt gegenüber des Domes an.

Gela ist eher übersichtlich. Die Hauptstraße mit diversen Läden und Restaurants, ein paar Nebenstraßen. Die Stadt zieht sich etwas in die Länge auf dem Kamm eines Hügels entlang. An der Kreuzung kann ich zur einen Seite hinab zum Meer sehen, zur anderen Seite ins Tal zu den Feldern vorbei der Stadt und dem angrenzenden nächsten Hügel.

Der Lungomare ist auch eher bescheiden. Das Hauptrestaurant mit Pavillon und Garten ist abgebrannt, die Seebrücke kaputt und gesperrt.

Mein Highlight in Gela ist die Hochzeit am Nachmittag des zweiten Tages. Von meinem Balkon habe ich quasi einen Außen-Logenplatz und kann vom Aufbau der Dekoration über das Ankommen aller Beteilgten bis zur Gratulation im Anschluss alles bestens im Blick behalten.

Ich beschließe daher einen Tag eher als geplant weiter nach Ragusa  zufahren, was mit meinem Hotel dort auch klappt.  Gela kann man also getrost auslassen.

Eigentlich wollte ich nach Ragusa mit der Bahn fahren. Aber hier hat nich die italienische Bahn, die ich bisher als sehr zuverlässig empfunden habe, ein Stück enttäuscht. 

Aber irgendwie auch nicht. Der Zug wurde auf dem Stück der Strecke gestrichen und ich wurde schon über eine Stunde vorher auf dem Bahnhof von einem Bahnmitarbeiter darauf angesprochen. Es würde aber ein Bus fahren, ich solle an der Ecke an der Straße warten. Es gesellten sich mit der Zeit nochmehr Leute dazu und irgendwann kam dann ein Bus. Etwas später als der Zeitpunkt der Anfahrt, aber immerhin kam ich so ohne weitere Umstände an mein Ziel in Ragusa an. Man stelle sich das mal in Deutschland vor…

Der alte Transportwagen im Vorraum ist allerdings interessant.

Ragusa ist zweigeteilt. Ein Erdbeben hat die Stadt fast vollständig zerstört und ein Teil der Altstadt (Ragusa-Ibla) wurde an ursprünglicher Stelle wieder aufgebaut. Der andere Teil wurde weiter oben auf einem Plateau aufgebaut. Hier sind nur wenige alte Gebäude zu sehen. Mein Spaziergang hier war dann auch recht kurzweilig aber auch Kunst-voll.

Dazu geht eine Schlucht durch die Stadt. Eigentlich kann man hier auch ein bisschen wandern bzw. spazieren, aber es wurde gerade viel gebaut, was meine Erkundungstour stark einschränkte.

Aber ein Bummel durch die Altstadt Ibla ist auf jeden Fall zu empfehlen. Schon der Weg hinab lohnt sich für den Blick. Geprägt durch den sizilianischen Barock sind die Häuser mit den verzierten Balkonen und Türen wirklich sehr schön. 

An dem Wochenende war nun auch noch das Fest zu Ehren San Giorgios, einer der Schutzpatronen der Stadt. Was für ein Glück! Am Freitag ging es mit der ersten Prozession schon los.

Am Dom angefangen wurde San Giorgio und auch der Reliquenschrein durch die Altstadt getragen und besuchte die Kirchen der Altstadt.  Ich hatte mir spontan einen Tisch direkt gegenüber eine dieser Kirchen für das Abendessen reservieren können. Das wollte ich live miterleben.

Es fing also am Dom an. Zunächst mussten beide Wagen die große Treppe herunter getragen werden. Als da geschehen war bejubelten die Männer sich selbst – zu Recht – aber alle Umstehenden jubelten natürlich auch.  Zur Freude kam ein erstes Feuerwerk. Dann zogen sie los durch die Altstadt, ich zu meinem Restaurant.

Nun waren bei dieser Kirche wieder steile Treppen zu bewältigen. Aber wie? Es war ein wahres Schauspiel.  An beiden Seiten stellten sich die Männer in Ketten Arm in Arm auf und dann ging es mit viel Schwung hinauf. Irre! Die Reliquien blieben über Nacht hier, nur San Giorgio zog weiter. Zum Abschluss noch ein Feuerwerk. Auf dem Heimweg genieße ich bei einem Abenddrink noch den Blick auf die nächtliche Altstadt mit den ganzen Lichterdekorationen.

Am Samstag erkunde ich zunächst die Wanderwege der Schlucht und bleibe im neuen Teil der Stadt. Die Nachbargemeinde im neuen Teil hat heute Prozession.  Ich höre zumindest am Abend das Feuerwerk.

Den Sonntagabend, den Abschluss der Feierlichkeiten lasse ich mir aber nicht entgehen. Damit startet dann eigegentlich meine neue Woche, aber ausnahmsweise werde ich den Sonntag hier in die Tagebuchwoche aufnehmen, die ja immer von Sonntag bis Samstag geht. Da ich ja an einem Sonntag gestartet bin. Es fühlt sich aber richtiger an, dies jetzt im Zusammenhang zu berichten.

Der Sonntag ist also der krönende Abschluss der Feierlichkeiten.  Auch wenn tagsüber nicht wirklich was passiert. Ich nutze am Nachmittag die Möglichkeit, den Dom mit den geschmückten Wagen zu besichtigen und schlendere noch ein ganzes Stück durch die Altstadt. 

Es geht dann am Abend wieder damit los, dass die Wagen und Würdenträger die lange Treppe herabkommen. Wieder findet ein wahrer Freudentanz auf dem Platz statt, als dies geschafft ist.

Der Platz ist heute wesentlich voller mit Menschen und man muss seinen Platz ordentlich „verteidigen“. Wieder ziehen alle los durch die Altstadt.  Da ich den Abschluss auf dem Platz vermuten bleibe ich – wie viele andere auch einfach hier. Setze mich an den Rand und esse mein Panino. 

Da kommt auch schon das nächste Feuererk. und es will gar nicht mehr aufhören. Schätzungsweise 20 Minuten lang Feuerwerk! Dann komme alle wieder zurück. Es geht durch die Lichterallee hindurch. Der Domplatz ist nun auch beleuchtet. Es sieht einfach wunderschön aus!

Aber die Prozession geht noch weiter! Der zweite Teil der Altstadt kommt jetzt auch noch dran. Diesmal laufe ich mit, da ich auch in die Richtung muss.

Von den Fenstern und Balkonen aus jubeln die Leute und lassen Konfettiraketten knallen.

An der nächsten Kirche kommt wieder das Schauspiel mit Schwung die Stufen hinauf. Es fasziniert mich einfach. Und wieder kommt nur San Giorgio wieder hinaus. Das nächste Feuerwerk.

Während die Prozession zur nächsten Kirche weiterzieht, ziehe ich allerdings ab in Richtung Hotel. Und ja, es kam noch ein Feuerwerk…

Ich bin absolut begeistert. Jeder der durch Italien fährt sollte so etwas mal miterleben dürfen. Das muss man selbst erleben. 

Wie kommt die Heiligenfigur die Kirchenstufen hinauf?

In der nächsten Woche mache ich mich wieder zu Fuß auf den Weg. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, dass ich die Südspitze Siziliens besuchen möchte. Dort gibt es aber keinen richtigen Ort und damit auch keinen Bus oder so, der dorthin fährt. Also zu Fuß weiter…

Eine Antwort zu „38. Woche: Weiter an der Südküste – Gela, Ragusa und San Giorgio“

  1. Avatar von fortunately34e9596287
    fortunately34e9596287

    In den sanften Wellen des Mittelmeers, wo die Sonne golden über die Küste Siziliens strahlt, hat Juliane ein weiteres Abenteuer erlebt, das fast wie ein Traum erscheint. Doch es ist wirklich wahr und auch die Bilder belegen dies.
    Man kann sich dabei ganz gut vorstellen, wie Du durch die engen Gassen geschlendert bist, während der Duft von frisch gebackenem Brot und aromatischen Gewürzen in der Luft lag.
    Auch die Prozessionen, die mit Musik und Gesang durch die Straßen zogen, schufen bestimmt eine Atmosphäre, die das Herz höher schlagen ließ. Man kann fast neidisch werden, wenn man sich vorstellt, wie Du inmitten der jubelnden Menschen gestand hast, umgeben von der Schönheit
    der barocken Architektur und dem strahlenden Lächeln der Einheimischen und bei all den mit vielen Lichtern dekorierten Häusern.

    Ach ja, da muss man doch einfach nur wieder Fernweh bekommen.
    Danke für Deinen Bericht! – Aber „leider“ auch wegen dem „Fern“- Weh.

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I’m Juliane

Ich bin Juliane und das ist mein Wander-Tagebuch. Ich bin in der Mitte meines Berufs-Lebens einfach mal losgelaufen und habe meinen Bürojob auf Pause gesetzt und die Wanderschuhe angezogen. Von Berlin soll es nun bis in den südlichsten Absatz von Italien gehen… hier könnt Ihr lesen, wie mir das gelingt.

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