Ich hatte mir vorgenommen an die Südküste der Insel zu gehen. Da es keine Verkehrsverbindungen zum Cap gibt, lauf ich halt. Von Ragusa aus geht es über Modica durch einen Naturpark nach Ispica. Und dann weiter durch reine Urlaubssiedlungengen bis zur Südspitze.
Diese Woche fängt mal an einem Montag an. Nachdem ich mich am Morgen noch kurz erfolgreich um meine berufliche Zukunft gekümmert habe geht es etwas später also sonst, gegen 11.00 Uhr los. Start zur 2. Wanderung auf Sizilien. Es geht von Ragusa zum südlichsten Ende Siziliens und danach mehr oder weniger an der Küste entlang nach Siracusa.

Los geht es zunächst Richtung Altstadt Ragusa-Ibla. Nach der Altstadt soll es über eine kleine Nebenstraße durch das Tal hinüber zur anderen Seite zum nächsten Hügel gehen. Aber mal wieder hat irgendein Italiener einen Zaun aufgestellt – Privatstraße. Der Weg dahinter ist uneinsichtig vor Gestrüpp, Ruinen schauen hervor. Es ist zwar ein Weg erkennbar und mittlerweile hält mich ja ein einfaches Schild und ein Bauzaun nicht unbedingt auf, aber es ist nicht erkennbar, ob man nicht bei jemanden im Hof rauskäme. Dann gäbe es nur wieder Hundegebell… Heute mal nicht, obwohl mich gerade aufgrund des späteren Starts ein Umweg etwas ärgert.
Also drehe ich doch um und laufe den längeren Weg über die Strada Provinciale. 2 Kilometer mehr.
An der nächsten Nebenstraßenabzweigung auf meiner Route habe ich mehr Glück. Es ist tatsächlich ganz normal bewohnt und begehbar. Hier gibt es dann wirklich Hundegebell, aber hinter dem Zaun. Also in Ruhe weiter. Leider oder zum Glück verstehen italienische Hunde meine deutschen Flüche nicht…
Nächster Auftritt – Ein Bachlauf ohne Brücke. Na das schockt mich nun nicht mehr. Zudem ist es nur knöcheltief, schön erfrischend und große glatte Felsen machen den Durchmarsch gut gehbar.







Unter der Brücke hindurch geht es weiter den Weg hinauf. Das Straßenschild mit der Geschwindigkeitsbegrenzung auf 10 km/h halte ich hier für völlig fehl am Platz. Wer soll denn bitte hier entlangfahren? Nach meiner deutschen Einschätzung kann auf diesem Weg überhaupt kein Fahrzeug fahren. Unabhängig davon weiß ich gar nicht, ob italienische Fahrzeuge überhaupt mit nur 10 km/h fahren könnten. 😆
Das nächste Hinternis ist ein Bahnübergang, diesmal mit geschlossener Schranke. Aus irgendeinem Grund überlege ich, ob diese Schranke überhaupt bedient wird oder ob die nicht einfach immer unten ist, damit keine Kuh auf die Gleise läuft, egal ob ein Zug kommt? Muss man irgendwo anrufen, wenn man durch will? Wer sollte hier entlang kommen – außer Wanderer? Immerhin ist dies auch ein Stück der Via Francigena. Mich würde hier nichts mehr wundern.
Inmitten aller Überlegungen höre ich das Zischen in den Gleisen, es kommt tatsächlich ein Zug und die Schranke geht auf. Also doch alles normal.


Weiter bergauf gab es oben noch einmal einen schönen Blick auf Ragusa. Der Rest des Weges bis Modica ist relativ unaufgeregt. Ein wenig Wanderweg erklettern und dann Nebenstraßen immer geradeaus. Endlich angekommen erstmal in ein Caffé und eine Granita zur Erfrischung. Eine Supersache, diese Granitas. Halbgefrohrenes Wassereis mit Fruchtgeschmack, am besten Limone. Erfrischend und Flüssigkeit in einem. 😁






Wiedermal völlig unvorbereitet überrascht mich Modica mit seiner Größe und Schönheit. Was doch der Anfang eher trist und unscheinbar. Das änderte sich aber, je näher ich der Innenstadt und der dort gelegenen Altstadt kam. Auf dem Weg in die Altstadt werde ich noch vom Bimmel-Tourizug überholt, als ich am Abend doch noch mit der letzten Runde mitfahren kann, bin ich ganz glücklich. Einfacher kann man keinen Eindruck vom Ort bekommen. Modica ist eine der Barock-Städtchen auf Sizilien. Schöne Fassaden mit schön verzierten Balkonen. Gelegen an zwei Berghängen um das Tal gibt es gerade in der Dämmerung sehr schöne Ausblicke.















Wenn man mal hier in der Gegend ist, lohnt es sich in Modica anzuhalten. Ich muss leider am nächsten Morgen wieder los. Ich habe nicht mal die Gelegenheit nutzen können, um die berühmte Schokolade aus Modica zu probieren.
Die nächste Etappe heißt Ispica, dazwischen liegt ein Naturpark in einer Schlucht. Ich teile die Strecke und es geht erstmal nur bis zum Anfang des Parkes. Nebenstraßen bis dorthin – hey, alles easy. Aber dann… das Tal beginnt und der Weg wird holprig und steinig. Der Letzte Kilometer hat es dann doch in sich, inklusive Gestrüpp. Ich bin gerade noch italienisch-pünktlich (also nicht mehr als 10 Minuten zu spät) am Treffpunkt mit der Gastgeberin für meine Unterkunft. Ein nettes kleines Häuschen.







Für den Rest dieses Wanderweges ziehe ich meine lange Hose wieder an. Zum Glück, denn es ist hier einiges an Gestrüpp zu durchqueren.
Der Weg fängt gut begehbar an, wird aber bald zum Trampelpfad. Der ist zum Glück meistens gut zu sehen. Bei der ersten Pause in einem Rifugium für Gruppenwanderungen bin ich noch guter Dinge, nur die Kilometerzahl auf dem Navi irritiert mich. Erst 1,5 km? Kann ja fast nicht sein. Aber dieses Phänomen bleibt den ganzen Tag aufrecht. Ich laufe und laufe und laufe, aber die Kilometerzahl sinkt nur langsam.
Aber die Aussicht ist phänomenal!












Die Felswände mit den Höhlen! Wer hat hier an diesen Stellen wofür diese Höhlen in die Felsen gehauen? Die Form der Höhlen sagt mir relativ deutlich, dass viele davon von Menschen gemacht worden sein müssen.
Es ist einer dieser Tage, an denen mir klar wird, dass man dies nur zu Fuß erkunden kann.
Und ich bin dankbar, daß ich mich auf den Weg gemacht habe und das persönlich sehen kann. Ich kann mich gar nicht satt sehen.








Aber irgendwann ist auch das schönste Tal mal genug. Die Schlucht zieht sich gefühlt ewig, Die Wege sind selten so schön begehbar. Oft sind es nur Trampelpfade und oft ist das Gestrüpp schulterhoch.
Doch es gibt zwischendurch kein Ausgang aus dieser Schlucht zu einer Straße, wo man mit einem Bus oder Auto hätte weiterkommen können. Ich muss bis zum Ende des Weges. Es ist schön hier, ein wirklich, gerade landschaftlich schöner Wanderweg. Nicht zu anspruchsvoll, aber irgendwie es zieht sich. Immer wieder noch eine Kurve…
Und so ich bin froh, als nach der nächsten Kurve endlich Häuser auf dem Felsen stehen. Ispica ist in Sicht. Um 19.00 Uhr komme ich endlich an. Um 10.30 Uhr bin ich gestartet. In Ruhe, es sollten ja nur knapp 12 km sein. Aber was für welche! Aber auch das hab ich geschafft! Die letzten Höhlen werden als Lager für kleine Gärten genutzt und dann ist noch eine kleine Felsenkirche am Talausgang. Ich kann sie zufällig gerade besichtigen und schon geht es hoch in den Ort.









Oben am Stadtrand angekommen steht erstmal noch der Rest eines Forts. Die Felsennieschen hier werden auch als Lager und sogar Partylocation genutzt.
Auf der Abendrunde entdecke ich einige schöne Ecken und Plätze von Ispica.









Von Ispica aus geht es dann hinab, bis ans Meer. Der heutige Weg war dann wirklich recht einfach zu laufen – bis zum Meer und kurz davor anhalten und zur Ferienwohnung abbiegen.
Es geht zwar am Anfang noch spannend die felsengesäumte Straße eAllerdings ging es nur Straße entlang und alles in der Sonne. Keine Straßenbäume. Zum Glück bin ich eingecremt und vorgebräunt. Nach dem Duschen Aftersun – oder wie es hier heißt Doposole – und das Rot geht ohne Schmerzen in noch mehr Braun über.






Ob sich meine Anwesenheit auf der sonnigen Straße unter den vorbeifahrenden Bauern mittlerweile rumgesprochen hat oder es Zufall war, kann ich nicht sagen, aber als der eine Bauer mit seinem Traktor beim vorbeifahren mir eine Wassermelone schenkt, bin ich happy. 🤗
Die letzten vier Kilometer, es trage ich also nun auch noch eine Wassermelone. Und ich freue mich auf die fruchtige Erfrischung am Abend und am nächsten Tag. Aber geht an einer Lagune hindurch – Flamingos! 🤗🤩🦩






Als mir die Gastgeberin dann auch noch eine Melone schenkt, weiß ich fast nicht, was ich sagen soll. Die Nudeln und Tomatensauce, die sie mir da lässt, freuen mich wirklich sehr, denn Etwas warmes hatte ich nicht eingeplant. Und das reicht glatt für morgen auch noch! Nicht das ich nicht etwas vorbereitet gewesen wäre, aber so ist besser.
Hier am Meer im Nichts – außer Sommerferienhäuser – mache ich einen ruhigen Pausentag.
Die größere der beiden Melonen esse ich hier während meiner Verschnaufpause, mehr schaffe ich allein beim besten Willen nicht. Und so nehme ich die Kleine trotz ihres Gewicht erstmal mit.





Nun geht’s an die Südspitze Siziliens. Immer am Meer entlang – Nein nicht idiyllisch am Strand, sondern auf der Straße zwischen den Gewächshäusern mit Melonen und Tomaten entlang. Manchmal reichen die Gewächshäuser buchstäblich ans Wasser, meistens ist der kurze Blick ans Meer aber doch sehr schön.
Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, der Autoverkehr hätte mich auch stutzig machen sollen, aber mit einem vollen Strand hatte ich nicht gerechnet. Also Pause am Strand. Schatten gibt es keinen wirklich, die Sonne steht zur Muttagszeit genau über mir. Aber das Wasser ist herrlich erfrischend.












Hier treffe ich wieder auf das Ionische Meer, das hier mit dem Mittelmeer zusammenfließt. Aber es endet oder beginnt hier auch der E1-Europawanderweg, der bis zum Nordkap führt.
Nach den letzten knapp 3 Kilometer an diesem Tag auf der Straße komme ich an meiner Unterkunft an.
Auf der Suche nach dem richtigen Seitenweg werde ich von einer Anwohnerin eingeladen, eine Pause zu machen und wenn jemand einem frisches Wasser anbietet bei der Sonne… Es gibt einen kurzen Plausch wo ich denn herkomme, und wie ich weiterkomme, zwei Pfirsiche und einen Caffé. 😊
Gut instruiert für den letzten Kilometer komme ich an. Die Unterkunft ist überraschend idyllisch inmitten der Gewächshäuser. Mit einem großen Garten und schönem Blick bis zum Meer.
Auch hier treffe ich auf meganette Vermieter. Als sie mitbekommen, das ich zu Fuß unterwegs bin und heute bestimmt nicht mehr 3 Kilometer in den Ort laufe zum Essen, fahren sie nochmal in den Ort und holen mir ein Stück Pizza zum Abendessen. Wie nett ist das denn bitte!!!! 🤗





In der nächsten Woche geht es wieder Richtung Norden bis nach Siracus. Ich mache einen Zwischenstopp in Noto, das mir von mehreren Leuten empfohlen wurde und das mit Ragusa und Modica durch den sizilianischen Barock geprägt sein soll.







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