33. Woche: die heilige Woche in Palermo – zwischen Sightseeing und Prozession

Die Woche ist geprägt von Großstadtgewimmel und Osterritualen. Keine Ostereier und Hasen – Trommeln und Prozession. Aber auch ganz klassisches Touristenprogramm.

Als erstes starte ich das Touri-Programm mit einer Fahrt im Panoramabus und hole mir einen ersten Eindruch von der Stadt bekommen. Die Stadt ist sehr „italienisch“, wie so viele Orte. Aber ein ganzes Stück größer und lebendiger.

Etwas wow hier und uiuiui da. Kaputt, fast kaputt und sehr schön liegen dicht beieinander.

Heute ist zudem Palmsonntag. Die Kirchen sind mit Palmenblättern geschmückt, an den Straßen stehen Händler mit geflochtenen Palmemblättern, die die Leute mit un die Kirche und dann nach Hause nehmen.

Zum Mittag geht’s über den Street-Food-Market. Ich probieren gegrillte Speckstreifen um Zitronengras – Sehr lecker! Und esse ein Brötchen mit frittierten Kartoffeln und – vermuttlich – Käse (es war Kichererbsenmus) Auch lecker.

Der Street-Food-Market ist ein Fest für alle Sinne

Zum Abschluss besichtige ich die Kathedrale und das anliegende Museum. Im Museum konnte man zum Teil die Räumlichkeiten des Bischofs betrachten, aber vor allem jeder Menge Heiligenbilder- und skulpturen. Und natürlich Insignien der Kirche. Aber beeindruckend fand ich die farbigen Marmorplatten der Altäre.

Die Kathedrale selbst sieht sehr spannend aus. Erinnert sie von außen an Südspanien, so erscheint sie innen eher mitteleuropäisch. Bei meinen späteren Führungen sollte ich erfahren,  dass ich recht habe und noch viel mehr drin steckt.

Man kann auf dem Dach der Kathedrale entlanglaufen und hat einen schönen Blick über die Stadt und die angrenzenden Berge. Palermo ist von 3 Seiten mit Bergen eingefasst und an einer Seite ist das Meer. Die Stadt kann also nicht mehr wirklich wachsen.

Zum Abschluss des Tages besuche ich spontan ein Marionettentheater „Teatro del Pupi“ Das hat hier eine sehr lange Tradition.  Es wird eine kurze Liebesgeschichte erzählt.

Die schöne Prinzessin verliebt sich in den schönen Ritter. Der König ist dagegen, gibt dem Flehen der Tochter aber nach unter der Bedingung, dass der Ritter alle anderen Freier besiegt. Das schafft der natürlich und so kann die Hochzeit gefeiert werden. 

Am zweiten Tag gibt es einen zuvor gebuchten Ausflug. Mit dem Kleinbus ging es zunächst hinauf auf den Berg von Monreal. Bevor es in den Dom ging besichtige ich noch den Kreuzgang des Klosters. Die Säulen sind sehr unterschiedlich und mit detailreichen Szenen vor allem aus der Bibelgeschichte gestaltet.

Der Dom ist überwältigend. Die Goldmosaike zeigen die Entstehungsgeschichte und Szenen aus dem alten und neuen Testament. Die Kirche ist griechisch-orthodox geprägt, was an den Inschriften im Mosaik gut zu erkennen ist.

Weiter geht es nach Cefalú. Eine kleine schöne Stadt am Meer im Norden Siziliens. Auch hier besuche ich hauptsächlich die Kathedrale, die normannische, arabische und römische Elemente hat. Sie hat viele Gemeinsamkeiten mut dem Dom von Monreale. Auch hier sind goldene Mosaike zu bestaunen und ein silberner Altar. Als ist überwältigend. Vom Kirchturm und Dach auch hat man einen guten Blick über die Stadt und den Strand. Auf der anderen Seite dann direkt der Felsen.

Die Kathedralen von Palermo und Cefalú und der Dom von Monreale bilden gemeinsam ein UNESCO-Welterbe

Schade, dass es so bedeckt war, die Sicht vom Dachaus wäre grandios gewesen.

Dennoch noch ein kleiner Drink an der Strandpromenade, dann geht’s auch schon zurück nach Palermo

Am dritten Tag gab es den ersten Rundgang durch die Innenstadt und zum Street-Food-Market.

Es war sehr interessant und, obwohl auf englisch, sehr informativ. Über die Aufteilung der Innenstadt in 4 Viertel, jeweils von unterschiedlichen Mafia-Familien beherrscht. Wie entstand eigentlich Palermo? Aus dem Hafen zwischen zwei Flüssen, die heute unterirdisch fließen.

Die Erklärungen zur Kathedrale waren sehr interessant. Die verschiedenen Epochen und Bauherren zu erkennen – die Normannen mit den Mauren, später die Spanier und innen im 15. Jh dann  Neoklassizismus. Was für ein Mix.

Zum Schluss ging es dann nochmal über den Street-Food-Market, den ich schon am Tag zuvor entdeckt hatte. Heute durfte ich dann noch einiges probieren und habe gelernt, dass der vermeintliche Käse Kichererbse ist. Die Innereien hab ich nicht probiert, irgendwie sah es mir zu naja aus.

Folgende Spezialitäten gab es zu probieren

  • Pizzuli – ähnlich wie Pizza
  • Frittura Patella – frittiertes Kichererbsenmus
  • Arancino – fritierte Reisbällchen
  • Canoli – Das Dolci Siziliens, Waffelröllchen gefüllt mit Riccota-Creme
  • Limoncello – muss man nix zu sagen

Im Anschluss daran bin ich noch durch die Straßen und Gassen geschlendert und habe einen weiteren Markt „Mercato Ballero“ gefunden. Auch hier alles spannend. An dem Becher Erdbeeren konnte ich nicht vorbei, die waren allerdings reichlich gezuckert.

Für den nächsten Tag hatte ich noch einen geführten Rundgang gebucht, diesmal auf deutsch. Einiges wusste ich nun schon, anderes war dafür neu.

Ich entdeckte eine Pasticceria im Kloster,  und wusste nun, was es mit dem „Brunnen der Schande“ auf sich hatte. (Was stellt man auch einen Brunnen mit lauter nackten Figuren mitten im hochkatholischen Palermo, gegenüber eines Nonnenklosters aus?)  Und diesmal ging es zum Abschluss nochmal über den Mercato Ballero. Sehr nett und auch wieder lecker.

Eigentlich wollte ich am Donnerstag versuchen in der Großstadt Palermo einen Sport- und Wanderladen ausfindig zu machen. Schließlich war mein Wasserbeutel kaputt gegangen und ich wollte adäquaten Ersatz. Leider führten alle Versuche ins Leere. Wenn es einen Laden gab, der Sportartikel führte, dann war es ein kleiner Laden, der ein paar Laufsachen und Bälle, vielleicht noch Rucksäcke, im Angebot hatte. Von Wandersachen oder gar Ausrüstung keine Spur. Oder den Laden gibt es nicht mehr.

Ich hatte inzwischen herausbekommen, dass man das Theater Massimo innen besichtigen kann.  Da ich jeden Tag daran vorbeilaufe und es mich jedesmal erneut fasziniert,  war klar, daß ich mir das ansehen werde. Die Führungen sind mehrfach täglich in italienisch und englisch.  Es ist von innen mindestens genauso faszinierend. Und voller Superlative. Das drittgrößte Theater Europas,  die zweitgrößte Bühne und die größte Vip(Königs-)-Loge (inklusive dem privaten Aufenthaltsraum). Spannend ist allerdings der VIP-Pausenraum. Der ist rund und so gebaut, dass man in der Mitte eine ganz merkwürdige Akustik hat. Man versteht nicht, was die anderen sagen. Das ist zuweilen praktisch, wenn z.B. Politiker und Unternehmer sich in der Pause unterhalten, aber es soll natürlich nicht jeder mithören können 😉.

Am Nachmittag hab ich dann beim Aperitif genießen Trommelklänge wahrgenommen.  Richtig. Es war schließlich Gründonnerstag und die Trommler der nächsten Kirche starteten zur Prozession. Es ging mit dem Kreuz und Römern von der Kirche aus ein ganzes Stück im Viertel entlang und wieder zurück. Ich bin dann mitgelaufen, eine Runde quasi ums Karree. War sehr interessant, vor allem wie das dann doch ein Stück normal ist hier. Es wird kurz die Straße freigemacht, die Policia Locale hält kurz den Verkehr an, Prozession geht durch und fertig, weiter im Text.

War der Gründonnerstag der Vorgeschmack für eine Prozession,  so ging es geute am Karfreitag quasi zur Sache. Am Nachmittag positionierte ich mich neben der Kirche bei mir um die Ecke um einen guten Blick zu haben. Ich hatte in den Tagen davor schon herausbekommen, wann hier die Prozession startet aber noch keine Idee was mich wirklich erwartet.

Die Ansammlung an Menschen und Beteiligten ließ erahnen,  das es was größeres werden würde.

Alles fing wieder mit den Trommlern und der Prozession des Kreuzes an. Diesmal bin ich nicht mitgelaufen,  habe meinen Platz am Portal der Kirche verteidigt. Das kann ja schließlich noch nicht alles gewesen sein. 

War es auch nicht. Das Kreuz und die Trommler kommen nach einiger Eite wieder und bringen den Jesus mit. Noch mit einem weißen Tuch bedeckt.

In der Kirche gibt es Gebete, der Jesu wird vor der Marienstatur positioniert. und er wird nun ohne Tuch in den bereitstehenden Glassarg geschoben. Die Trommler stellen sich wieder in Position. Ich mich auch, denn jetzt kommt der Hauptakt.

Nun geht die „richtige“ Prozession los. Nacheinander kommen nun aus der Kirche – begleitet von Trommeln und Blasmusik der hinzugekommen Musikkapelle:

  • Die Trommler
  • Jesus im Glassarg 
  • Auf Kissen gebettet die Nägel, der Dornenkranz und der Hammer, mit denen Jesu an Kreuz befestigt wurde
  • Die Römer
  • Die draußen wartende Kapelle reiht sich hier ein
  • Zum Abschluss Maria auf ihrem über und über mit Blumen geschückten Wagen

Die beiden Wagen mit Jesus und der Maria müssen irre schwer sein. Trotz, oder auch wegen der Rampe, ist es eine extreme Anstrengung für die Männer, die Figuren sachte aus der Kirche heraus zubekommen. Obwohl sie auf einem Wagen stehen, damit man die Figuren rollen kann, ist die Anstrengung den Männern ins Gesicht geschrieben. Der Wagen muss schließlich langsam herabrollen und daher abgebremst werden.  Zudem lassen sich die Räder nicht drehen, so dass dies mit Hochheben und langsames Drehen erfolgen muss. Den Abschluss bilden die Würdenträger aus Kirche, Polizei,  Feuerwehr, Stadt und Provinz. Zum Schluss die Helfer der Bruderschaft und das gemeine Volk.

Alles verläuft etwas mit Verzögerung und langsamer als geplant und ich habe Zeit rechtzeitig, mir eine neue Position zu suchen, um einmal die ganze Prozession an mir vorüber ziehen zu lassen.

Es ist ein absolut sehenswertes Spektakel und ich bin froh, einmal diese Möglichkeit gehabt zu haben.

Der Ostersamstag verläuft normal. Profane Dinge wie Wäsche waschen und ausruhen stehen an. Am Abend gehe ich nochmal etwas raus, den Abend genießen. Die Musik auf dem Platz vor dem Theater Massimo lockt mich hinaus. Gegen 21.00 Ihr gehe ich dann doch noch mal zur Kirche. Die Weihe der Osterkerze steht noch an.

Alle Besucher warten andächtig im Innenraum der Kirche, der ziemlich dunkel ist. Man sieht einige Touristen, die nicht so genau wissen, was jetzt kommt und erwartungsvoll warten. Ich auch.

Dann wird es fast etwas hektisch. Einige Leute der Gemeinde gehen mit einem Korb voller Gebetskerzen nach hinten, es kommt einer wieder raus und ruft jemanden was zu. Der steht auf und geht mit nach hinten. Wir Unwissenden zucken die Schultern und warten weiter. Dann gehen noch zwei, drei Leute nach hinten… Irgendwann schnallen es andere auch, hinten beginnt die „Show“. Ich laufe mal mit.

Klar, die Osterkerze wird draußen am Feuer im Garten geweiht und angezündet. Zur Seite raus, zur Kirchentür wieder rein. Alle entzünden ihre kleine Kerze am Osterlicht. Gesang des Priesters im Kerzenschein. Hat schon was. Die Messe mache ich nicht mit, der Anfang war aber gut. Den Rest meiner Kerze nehme ich mit. Ich finde in meiner Wohnung einen Kerzenständer und habe eine kleine eigene Osterkerze 😊

Das war also die heilige Woche. Morgen ist Ostern und ich habe mir einen Osterkuchen gekauft. Nach Ostern beginnt meine Rundreise durch Sizilien. Ich bin gespannt.  Erster Halt ist Marsala.

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I’m Juliane

Ich bin Juliane und das ist mein Wander-Tagebuch. Ich bin in der Mitte meines Berufs-Lebens einfach mal losgelaufen und habe meinen Bürojob auf Pause gesetzt und die Wanderschuhe angezogen. Von Berlin soll es nun bis in den südlichsten Absatz von Italien gehen… hier könnt Ihr lesen, wie mir das gelingt.

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