29. Woche: 1000 Meter, Jesus und das Meer

Der letzte Teil meiner Reise durch Basilikata von Küste zu Küste. Es bleibt bergig und man spürt, dass das Meer näher kommt. Bis es dann vor Maratea plötzlich da ist.

In meiner Unterkunft in Seluci hörte ich am Abend schon Stimmen aus dem Nebenzimmer, konnte aber keine Sprache zuordnen. Aber immerhin war ich endlich mal wieder nicht allein in der Unterkunft. Am Morgen stellte sich heraus,  dass es zwei Herren aus Südtirol waren, die für ihr Frühstück erstmal ihr Müsli auf dem Bunzenbrenner zubereiteten. 🙈

Auch sie genießen den aufkommenden Frühling in Süditalien und waren ebenfalls auf dem Weg nach Maratea. Mir ihren E-Bikes sollten sie den Weg aber etwas schneller geschafft haben als ich 😉.

Für mich ging es an diesm Tag erstmal nur nach Lauria, wo ich dann auch wieder einen Pausentag eingelegt habe.

Am „Hausfelsen“ von Seluci vorbei geht es wieder langsam aufwärts auf relativ holprigen, steinigen Wegen, vorbei an einem ziemlich großen Stausee. Irgendwann komme ich erneut auf 1000 Meter. Der Weg ist etwas steinig und man muss aufpassen, wo man hintritt, denn neben dem Weg, geht’s direkt etwas hinunter.

Auf meinem Abstieg komme ich an einem Häuschen mir Wiese vorbei und mache auf der Treppe erstmal etwas windgeschützter Pause. Es ist pustet heute ziemlich und ich bin froh, mich ordentlich warm angezogen zu haben. 

Wenn ich so nach vorn über die Berge schaue, habe ich immer mehr die Idee, das Meer kommt näher. Das Licht und der Himmel scheinen fast schon vom Wasser reflektiert zu werden.  Der weiße Felsen sieht dann auch wie eine riesige Düne 😉.

Vorbei an einem zweiten See kommt auf einer Anhöhe dann auch ein Ort zum Vorschein, zunächst halte ich es für Lauria, aber es ist bereits Treccina,  meine nächste Station. Ich hätte auf der Anhöhe gern Pause gemacht, aber es hat ziemlich gepustet und war unangenehm. Dann doch lieber weiter laufen.

Weiter unten des Weges komme ich an einer merkwürdigen Badewannenkonstruktion vorbei und ich nehme den „Piccolo Camino de Santiago“ auf. Kurz vor Lauria komme ich n einem Hof mit kleiner Kirche vorbei. Die Frau will sich mit mir unterhalten,  meine wenigen Italienischkenntnisse verhindern aber ein längeres Gespräch.

Es reicht aber für den Hund aus, sich ein Stück des vorzubereitendem Hühnchen zu stibitzen. Sie öffnent mir nicht nur die kleine Kirche, sondern auch den richtigen Weg hinab zur Stadt.

Auf dem Weg hinab komme ich an einer alten Eisenbahnstreckevorbei vorbei.  Die Eisenbrücke mit Tunneln sind noch da und sind heute als Rad-/Wanderweg zu erkunden. Ich bin kurz vor meinem Ziel und steige die Treppe in den Ort hinab.

In Lauria bleibe ich einen Tag, bevor es auf die letzten Etappen zum tyrrhenischen Meer geht.

Neben Ausschlafen und etwas ruhen steht mal wieder die Wäsche auf dem Programm.  Bei meiner Runde durch den Ort erklime ich dann auch den Hügel mit der Wallfahrtskirche, die leider geschlossen ist. 

Vor einiger Zeit war in Lauria der Tag vom örtlichen Patron Domenico Lentini. Dieser ist seeliggesprochenen worden und seine Überreste werden in Lauria aufbewahrt.  Überall hängen aber noch gelbe Schleifen und Fähnchen vom Jahrestag.

Meine Runde durch den Ort wird wegen dem kalten Wind kürzer gehalten, als ursprünglich geplant und ich bin dankbar, daß am 2. Tag das Restaurant direkt nebenan offen ist.  Auch wenn die Abendsonne den Ort in schönes Licht taucht, macht der Wind es doch recht kalt.

Der Weg nach Treccina führt durch ein Tal an einem Fluss entlang.  Es ist ein angenehmer Weg, schön flach und gut zu laufen.

Noch einmal etwas bergan und ich komme in Treccina an, die letzte Station vor Maratea.  Ein wirklich schönes Örtchen.

Nun aber auf zum letzten Stück des Weges. Zur Stadt hinaus komme ich zunächst an der Grotte della Madonna vorbei – eine kleine Madonnenkapelle. Anschließend geht es nochmal etwas in die Berge und ich fühle mich kurz in die Schweiz versetzt. Es gibt sogar Bergkühe und ein Gipfelkreuz. 

Und dann ist er da, der Augenblick,  an dem ich das Meer nicht nur ahne, sondern das erste Mal sehe. Wie schön.

Und dann sehe ich auch schon die Jesusstatur in der Ferne.

Also kurze Pause und los zum letzten Stück. Es geht die Straße entlang, bis es wieder hinauf geht.  Ich überlege noch, ob ich nicht doch die Serpentinen laufe, entscheide much dannaber für den Fußweg daneben. Hätte ich gewusst,  wie steil und schmal der wird….

Glücklich oben angekommen zu sein genieße ich den Blick aufs Meer und die Stadt unter mir. Ich besichtige die Kirche und bin wieder sehr bewegt. Ich habe den Weg geschafft!

Auf der Suche nach dem richtigen Weg nach unten kommt die Ernüchterung. Es ist ein ziemlich steiler Weg, der auch von oben erstmal kaum zu erkennen ist. Ich muss ziemlich fertig ausgesehen haben, denn ich werde prompt gefragt, ob alles in Ordnung sei. Nachdem ich klarmachen kann, wie „entsetzt“ ich bin,  das der Abstieg auch so steil ist und die Straße doch ein ganzes Stück weiter ist, werde ich direkt eingeladen,  mit dem Auto mitgenomen zu werden. Ich sag natürlich nicht nein. Und so komme ich easy zum Hafen und schaffe sogar noch einen Aperol in der Abendsonne. 🍹🤗

Den hab ich mir verdient!

Die Fahrt mit dem Auto war ein Geschenk des Himmels, Maratea liegt sehr auseinandergezogen am Berg ind unterschiedlichen Höhen, das wäre noch ei ganzes Stück Weg gewesen, immer auf der Straße neben dem Autoverkehr.

Nun kann ich in meiner Ferienwohnung den Blick in den Hafen in der Abendstimmung genießen.

Wie weit auseinander und in unterschiedlichen Höhen Maratea liegt merke ich am nächsten Tag. Auf dem Weg ins historische Zentrum geht es ziemlich ordentlich bergauf und ich min froh, dass an der Hälfte des Weges dann doch ein Bus kommt und mich mitnimmt. Meine Fahrkarte kann ich allerdings nicht im Bus kaufen, die gibt es im Reisebüro, vor dem der Bus extra anhält und wartet,  damit ich mir eine kaufen kann.

Ich erkunde also die Altstadt und kaufe mir für den Abend direkt die ersten Erdbeeren in diesem Jahr.  Sie sind aus Policoro,  hach da war ich doch und hab die Erdbeerzelte gesehen. Sie sind richtig süß und lecker.

Erdbeeren aus Policoro und Panino aus Maratea

Am zweiten Tag mache ich wieder mit viel Ruhe. Ich versuche meinen kaputten Wasserbeutel zu reparieren. Nachdem ich an irgendeinem störrischen Dornenzweig damit hängengeblieben bin ist ein kleines Loch drin. Leider funktioniert meine Idee des Flickens nicht. 

Und ich muss Streckenplanumg machen. Wieder hab ich noch keinen großen Plan,  wie es weitergeht. Soviel steht fest,  es geht nach Kampanien und zwar zunächst mit dem Zug.

Morgen am Sonntag fahr ich mit dem Zug nach Sapri, von Basilikata nach Kampanien.

Ich bin gespannt wie es genau weitergeht. 

Mein Zug nach Kampanien

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I’m Juliane

Ich bin Juliane und das ist mein Wander-Tagebuch. Ich bin in der Mitte meines Berufs-Lebens einfach mal losgelaufen und habe meinen Bürojob auf Pause gesetzt und die Wanderschuhe angezogen. Von Berlin soll es nun bis in den südlichsten Absatz von Italien gehen… hier könnt Ihr lesen, wie mir das gelingt.

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