27. Woche: Karneval in Nova Siri Scalo und ein Weg durch Basilikata

In Nova Siri Scalo bleibe ich eine Woche zum ausruhen und um mir den Karneval anzusehen. Und ich suche einen Plan wie es weitergeht…

Der Karneval in Nova Siri Scalo war letzten Endes eher eine Fete für die Kinder. Schon am Freitag, 28.2. war der Schulumzug. Es wurde von Schule zu Schule, die Hauptstraße herunter bis zum Platz vor der Kirche gezogen. Fast schien es als seien die Lehrer und Erzieher m motiviertesten 😆 Auf dem Platz wurden dann Ballons zerhauen. Am Sonntag war dann freier Kinderunzug mit dem Motto „Cowgirl und Cowboy“, hier kamen vor allem die ganz Kleinen auf ihre Kosten. Abschluss war hier lustige Kinderlieder auf dem Spielplatz.

Am Faschingsdienstag war dann allgemeiner Umzug mit Band auf dem Kirchvorplatz. Auch hier ging es vorrangig um die Kinder, aber auch einige Erwachsene ließen sich in Kostüm sehen.

Und noch ein Paar Eindrücke vom Örtchen…

Aber ich habe auch noch ein wenig was unternommen. Bei einem Spaziergang am Strand habe ich zu den Bergen Kalabriens geschaut und mir die schön gestalteten Bänke am Lungomare angesehen.

An einem anderen Tag hab ich eine kleine Wanderung nach Rocca Imperiale Marina am Strand entlang unternommen. Dabei hieß es drei Flussmündungen queren. Die erste brachte mich noch zum schmunzeln und konnte mit einem beherzten Schritt überwunden werden. Bei der zweiten sah man schon eher die Auswirkungen des Wassers auf das Sandufer. Der dritte wurde dann langsam kniffligen und ich konnte erfahren, wie Sand nachgibt, wenn er mit Wasser durchdrungen ist. Alles lief gut, die Schuhe haben den Wassertest bestanden.  😁

Auf dem Rückweg war der letzte Bachlauf schon etwas mehr, aber immer noch einfach zu bewältigen. 

Viel spannender war allerdings,  dass sich der Himmel an der Grenze zu Kalabrien deutlich aufhellte. Und auch ein Stück angespültes Stück Holz erweckte meine Aufmerksamkeit. War es doch über und über mit Muschelresten besetzt. Spannend, wie die sich am Ast angeschmiegt hatten.

Als ich im Caffé erzählte, wo ich gerade zu Fuß war erntete ich nur ungläubiges Kopfschütteln und staunen. Der normale Italiener geht nicht mal zum Bäcker zu Fuß. 🫢 

Nun war aber noch die Frage nach meinem weiteren Weg offen. Doch das löste sich durch Zufall beim Stöbern im Internet.  Ich fand einen Wanderweg durch Basilikata – Von Küste zu Küste. Von Nova Siri am ionischen nach Maratea am tyrrhenischen Meer. Und nun war ich zufällig schon an einem der beiden Startpunkte. Na wenn das kein Zeichen ist. 😁🤗👍 ca. 160 km bis zum nächsten Meer und ohne die sehr hohen Berge in 12 Etappen 👌

Damit hieß mein nächstes Kapitel Basilicata – Coast to Coast. Ich hatte wieder ein Ziel zum weiterwandern.

Am Mittwoch den 5. März gehe ich endlich wieder weiter. Auf zur nächsten Küste durch die Berge des Parco Nationale del   Pollino, der Pollino-Nationalpark. Die erste Etappe ging nun von Nova Siri Scalo nach Nova Siri historico Centro, immerhin 17 km zu Fuß. 

Hinter dem Ort am Meer geht’s sachte bergauf und wieder an Plantagen vorbei. Die Sonne scheint ordentlich und ich bin über die Wasserquelle kurz vor dem Ziel äußerst dankbar.  Die Besichtigung der alten Wasserbecken verzichte ich. Ich mach dafür eine Pause am Wasserfall. Das Influenza-Posen ist irgendwie nicht so meins. Aber ich hab dennoch meinen Spaß.

Die direkte Treppe hinauf wird gerade gebaut. Also geht’s die Straße entlang… weitere 1,5 km.

Aber ich komme trotzdem pünktlich an. Meine Unterkunft zu finden war nicht so einfach, gelingt mir aber. Die Einrichtung ist etwas „vintage“,  aber es passt zum Dorf und zum Haus. Die mitgebrachte Pizza von meinem Gastgeber nehme ich dankbar entgegen,  hier gibt es nämlich nichts zu kaufen.

Am nächsten Morgen genieße ich noch den Kaffee in der Morgensonne, dann geht es los nach Valsinni.

Ein Weg der es in sich hatte. Irgendwann ging es eine ziemlich kaputte, steile „Straße“ bergan an einer Kapelle vorbei. Unterwegs vielen mir schon die verkohlten Bäume auf. An der Kapelle angelangt – kurze Pause nach alter „da steht ne Bank-Regel“ – bemerkte ich, dass diese doch sehr sauber war, obwohl es rundherum Spuren von einem Feuer gab. ‚Werden wohl ein paar Nonnas eifrig geputzt haben.‘ Später erfuhr ich, dass bei dem Feuer zwei Feuerwehrleute ums Leben kamen, die Kapelle aber wundersammer Weise komplett verschont wurde. Niemand hat da geputzt, sie wurde einfach nur verschont. Manchmal gibt es doch kleine Wunder.

Woher ich das weiß?  Von Serafina, die ich kurze Zeit später traf und mich zum Essen in Valsinni verabredete. Eine schöne Geschichte:

Von der Kapelle aus beobachtete ich ein kleines Auto an der anderen Talseite eine schmale Straße entlangfahren, das kurz danach knapp an mir vorbeifuhr. Nach kurzer Wegstrecke kam ich an eine Wegsperrung mit Zaun herum. Kurze Geländeerkundung, über den Zaun drüber, weiter. Dann kam ich an einen Bauernhof, an dem nicht nur eben jenes Auto stand, sondern auch drei Hunde bellend auf mich zukamen. Es kamen aber direkt die Bewohner heraus, riefen die Hunde zurück und wunderten sich etwas,  wo ich denn nun herkomme. Zumal der Zuweg Privatstrasse sei und ja eigentlich gesperrt. 😉

Ich fragte nach dem Weg, versicherte, dass es mir gut ginge, ich einfach nur diesen Wanderweg entlang käme. Wir kamen kurz ins Gespräch, und die junge Frau – von der ich dachte, sie sei in dem Auto gefahren- erzählte,  sie sei am Abend auch in Valsinni zu einem Termin. Wir verabredeten uns spontan zum Essen. Na mal sehen….

Ich bekam noch einige Hinweise zum weiteren Weg und die Bitte aufgetragen, am Ende des Weges bitte die zwei Tore wieder zu schließen,  damit die Schafe nicht ausbüchsen. Mach ich doch gerne. 👍

Wir haben uns dann tatsächlich noch am Abend getroffen und uns gut unterhalten! Was für eine schöne Begegnung und für ein netter Abend. Vielen Dank

Davor lag aber noch der Weg durch den Wald vor mir. Und der hatte es in sich. Es ging an einem Hütehunde-Trainingsgebiet durch – abgeriegelt durch E-Draht, den ich kurz mal abgenommen hab….

An Schotterfeldern hindurch, an Bachläufen Talwärts und einen ziemlich steilen und felsigen „Weg“ talwärts. Ich war froh, im Ort angekommen zu sein, denn es wurde langsam dämmerich. Eine Zeit, in der ich ungern noch in der freien Natur bin, sondern lieber Zivilsaton um mich weiß.

Die Ferienwohnung war dann auch wieder etwas tricky zu finden, aber ich hab auch das geschafft. Der Abend war dafür umso schöner. 🤗

Valsinni selbst hab ich zum einen Teil als verwinkelten Bergdorf, zum anderen Teil als normalen kleines Ort inmitten der Berge wahrgenommen. Es gibt ein Castello und eine Liebeslegende um eine schöne Frau Isabella, die in ihrer unerfüllten Liebe schöne Gedichte geschrieben haben soll.

Nächster Halt war San Giorgio Lucano.  Schon von weitem gesehen, ist es doch durch seine Lage auf einem Bergkamm mit Kamm-Zuweg als Landmarke gut zu erkennen. 

Also los. Dummerweise musste ich den steilen Felsenweg nun wieder hinauf, da die Abzweigung am Wanderweg oben am Waldrand war. Hmpf. Der Rest geht ganz gut. Zwei Brücken ohne viel Wasser im Fluss, schmale Nebenstraße auf dem Kamm entlang bis San Giorgio Lucano. Am Orteingang komme ich an einigen Höhlen vorbei, bei denen Zäunen der kleine Vorbereich abgetrennt ist, oft mit Tür und manchmal auch Fenster.  Hier wohnt hoffentlich niemand, dass sind hoffentlich nur Häuschen für die Feldarbeit oder Lagerräume. 

Der Ort ist wie viele klein und fein und gat sogar etwas Kunst zu bieten. Die Winterhexe hängt noch im Baum Der Brauch, diese zu Aschermittwoch zu verbrennen scheint hier nicht angekommen zu sein.

Am nächsten Morgen geht’s wieder durch die Ortsmitte. Die älteren Herren in den Caffès schauen mich wie so oft verwundert an…

Auf nach Noepli. Wieder so ein Gipfelörtchen. Ich frage den Opa am Ortsausgang und er bestätigt meine Befürchtung.  Na dann auf geht’s. Zunächst abwärts die Straße runter Richtung Fluss. Blumen am Straßenrand – einfach schön. An der Brücke am Fluss verlasse ich die Provinz Matera und komme in die Provinz Potenza. Danach wird es erstmal komisch, der Weg ist ausgeschildert, zu sehen ist ein ehemaliges Betonwerk? Da ein Pfad erkennbar ist,  gehe ich trotzdem.  Runter von der Straße!

Der Wanderweg führt dort tatsächlich entlang, am Werk vorbei und dann durch Weideland, über die nächste Straße und km Flußbett lang. Hä? Hier kommt tatsächlich die Stelle, die mir im vornherein am meisten Kopfzerbrechen bereitet hat. Laut Navi soll ich im Fluss laufen? Es iat das leere Flußbett und man kann durchlaufen, wenn gerade keine Überflutung ist. Es wird auch gewarnt, dass man sich im Flutgebiet befindet, wenn die Schleuse geöffnet wird.

Ok. Heute nicht. Also kann ich trockenen Fußes durch.

Bevor es auf der anderen Seite nun bergauf geht, erstmal Pause. Nun geht es nämlich ziemlich ordentlich bergauf. Und damit es spannend bleibt, habe die Bauern sich eine Special einfallen lassen. Man kann ja seinen Tier-Eletrodraht einfach quer über den Wanderweg spannen. Ob auf dem geknüpperten Seil mit Draht wirklich Strom draum iat möchte ich nicht testen, also Rucksack runter, drunter durch krabbeln und dann Rucksack wieder rauf. Zum Glück ist der Draht nämlich in einer Höhe, dass ich gut drunter durch komme. Drei mal geht dieses Spiel….

Als ich endlich in Noepli ankomme, muss ich nur noch meine Unterkunft finden. Lässt sich in dem Dorf aber lösen. Diese ist erstaunlich gut eingerichtet.

Zum Glück hatte ich am Morgen noch Foccacha gekauft, ein Restaurant gab es nämlich nicht.  Erst ca. 15 Minuten zu Fuß die Landstraße entlang.  Da es um 19.00 Uhr dunkel wird,  fällt das aus. Außerhalb des Ortes gibt es keine Straßenlaternen und es ist direkt stockdunkel. Ich habe keine Absicht allein in dieser Dunkelheit unterwegs zu sein. Ich habe noch nie so eine Dunkelheit erlebt. Man sieht einzelne Lampen der der vereinzelten Häuser und in der Ferne die Lichter anderer Orte. Alles andere ist einfach nur schwarz.

In der nächsten Woche komme ich in Senise an einen großen Stausee und ab Fardella geht es langsam in die Höhe. Die Landschaft wird rauer, die Menschen bleiben herzlich.

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I’m Juliane

Ich bin Juliane und das ist mein Wander-Tagebuch. Ich bin in der Mitte meines Berufs-Lebens einfach mal losgelaufen und habe meinen Bürojob auf Pause gesetzt und die Wanderschuhe angezogen. Von Berlin soll es nun bis in den südlichsten Absatz von Italien gehen… hier könnt Ihr lesen, wie mir das gelingt.

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