24. Woche: Matera, eine besondere UNESCO-Welterbe-Stadt und zwei schöne Ausflüge

Eine Woche Aufenthalt in Matera, eine einigartigen Stadt. Und zwei Ausflüge mit Antonio. Einen nach Irsina,  Gravina de Puglia und Altamura und einen nach Bari. Ich erkunde nicht nur Matera mit den Sassi, ich lerne so auch noch einige weitere Orte in Apulien kennen, die ich sonst nicht besucht hätte.

Die Woche startet direkt mit dem ersten Ausflug mit Antonio, den ich bereits in Santeramo kennengelernt hatte. Ich hatte mit ihm drei Ausflüge abgemacht, zwei davon in dieser Woche von Matera aus.

Der erste Ausflug ging nach Irsina, Gravina de Puglia und Altamura. Früh um 7.00 Uhr war Treffpunkt in der Innenstadt (um 7.00 Uhr an einem Sonntag!!! 🙈🥱).

Nach einem Caffè und Cornetto (Croissants) gings los. Wir treffen unterwegs einen alten Herren – einer der vielen Freunde von Antonio- und können zunächst die Kirche Sant Antonio und San Francesco D’Assisi besuchen. Erst ein Franziskanerkloster, später Kirche. Das Freizeitzentrum mit Kino war zwischenzeitlich auch mal hier untergebracht. Zwischennutzung von sakralen Bauten kenne ich ja aus Deutschland auch. 😉

In der unteren Etage sieht man die Reste der gotischen Kirche. Die Fresken sind beeindruckend. Oben dann die heutige Kirche. Ich darf den Klostergarten besuchen und genieße die Aussicht im Morgenlicht.

Dann gehts durch die Altstadt zur zweiten Kirche Sant Agostino. Hier sind wir verabredet und bekommen eine exklusive Führung durch die Kirche und Sakristei. Ich darf die Messegewänder bestaunen und habe sogar ein Gewand in der Hand, das einst Papst Clemens XI hier trug.

Weiter ging es nach Gravina de Puglia. Hier sind unterirdische Räume ganz anderer Art zu besichtigen.  Die Häuser wurden aus den Steinen gebaut, die direkt drunter waren. Sie stehen heute sozusagen auf den daraus entstandenen unterirdischen Räumen. Heute werden diese Kellergeschosse als Lager genutzt, früher wurde hier auch gewohnt und gearbeitet. Es ist erstaunlich,  wie tief hinab es hier zuweilen geht und wie hoch diese unterirdischen Räume doch sind.

Aber auch überirdisch ist es ein schöner beschaulicher Ort. Sehr interessant ist natürlich das angrenzende Tal mit den vielen Felsenhöhlen, die Kirche gegenüber und die Brücke.

Funfact: Hier wurde unter anderem der James Bond „No Time to die“ gedreht.

Obenauf sind dann noch verschiedene runde und viereckige Löcher im Felsen zu sehen. Es sind Grabstellen aus dem 6. Jh.

Nach einer kurzen Mittagspause geht es dann weiter zur letzten Station, nach Altamura. Eine schöne Stadt mit gut erhaltener Altstadt mit einem wunderschönen Dom. Und einer interessanten Spezialität. Die „Nonnenbrüste“ sind verboten lecker!

Ein schöner Tag geht zu Ende, an dem ich mir drei weitere verschiedene Orte ansehen konnte. 

Grazie Mille Antonio!

Nun ist es aber Zeit mir Matera näher anzusehen, vor allem die Felsenwohnungen und auch ein paar der vielen Kirchen, Aber auch die Stadt selbst 😉😊

Die Felsenwohnungen sind schon ganz besonders. Bis Ende der 1960er Jahre lebte hier die einfache Bevölkerung in den in den Felsen gehauenen Wohnungen. Eine ganze Familie, nicht selten 5 oder mehr Kinder, Vieh, und Wohn- und Arbeitsraum auf wenige Quadratmeter in jeweiligen Nieschen verteilt. Strom und Wasseranschluss? Fehlanzeige. Wasser wurde vom Regenwasser in Zosternen gesammelt, Abwasser über ein Kanalsystem abgeleitet. Geheizt mit einem Ofen, der auch zum Kochen verwendet wird.

Die Betten wurden geteilt. die kleineren im Ehebett,  oder in den Schubläden der Schränke und Truhen. Die Babys in  der Wiege. Das Bett war höher gebaut, damit unter der Matratze Platz für die Hühner ist.

Wie fing es an? Priester und Nonnen, die aus dem Südosten geflohen sind, haben sich in dem Tuffsteinfelsen Höhlenklöster gebaut  und haben sich da niedergelassen. Später kamen mehr Menschen dazu. Ackerbau und Viehzucht entwickelt sich. Mehr Höhlen werden gegraben, Häuser an- und vorgebaut. Die Sassi entstehen.

Es gibt zwei Sassis. Die Sassi Caveoso und Barisano. Die Sassi Caveoso ist an der Schlucht mit den Höhlen, etwas weiter geöffnet,  ein bisschen wie in einem Amphitheater. Hier hatte ich meine Ferienwohnung.

Die Sassi Barisano ist in Richtung Bari, ist etwas enger beieinander. Sie liegt auch im Stadtgebiet etwas zenraler. Ich fand sie fast etwas zu eng.

Spannend sind sie Beide. Heute leben dort durchaus auch wieder Leute, viele Ferienhäuser und Hotels, Bars und Restaurants sowie Läden sind in den bis in die Felsen hineingehenden Häuser untergebracht. 

Auch die Geschichte von Matera ist äußerst interessant. Die Kurzfassung ist in etwa:

Die Höhlensiedlungen wachsen, Ackerbau und Viehzucht ziehen Handel an, Matera wird eine blühende Handelsstadt. Reichtum und Adel siedelt sich an, die Kirche, Kunst und Kultur gleich mit. Anfangs war Matera auch Hauptstadt von Basilikata bis diese bei einer Verwaltungsreform und Neuordnung Potenza wird. Matera ist dann Provinzhauptstadt, verliert an Bedeutung, Adel, Kirche und Geld verschwinden wieder. Es bleiben die einfachen Leute in einfachsten Verhältnissen. Bis das in den 1950er Jahren von der Politik „entdeckt“ wird und Matera zum Ort der Schande wird. Per Gesetzt bekommen alle Einwohner ein neues Zuhause mit mehr Wohnqualität. Die neuen Stadtteile entwickeön sich. Die Sassis werden verriegelt. Die Wissenschaft überlegt, wie das sinnvoll zu nutzen und zu gestalten sei. Es wird gestaltet, 1993 wird Matera und die Höhlen-Schlucht Unesco-Welterbe. 2007 ist Matera Europa-Kulturhauptstadt.  Die Bekanntheit wächst wieder. Dazu hat auch beigetragen, dass Matera als Drehort für diverse Filme entdeckt wurde.  Z.B. hat Mel Gibson hier einen Großteil der Aussenszenen zu „Die Passion Christi“ gedreht, oder der James Bond „No Time to die“ wurde ebenfalls zum teil hier gedreht. 😉😁

Mein Fazit: Wer in der Gegend ist – unbedingt mal ansehen!!! Diese Stadt ist einzigartig.

Und dann kam ja noch ein zweiter Ausflug, diesmal nach Bari.

Wieder ging es sehr früh los. Antonio und ich waren in Bari an Kathedrale mit Tommaso verabredet,  der uns nicht nur dazu einiges erzählen konnte. Wir waren pünktlich da (Antonio ist eben gebürtiger Schweizer 😉). Und Tommaso? Der war auch pünktlich, aber nicht zu sehen. Hmmm? Nun, wenn man nicht an der Kathedrale steht, sondern an der Kirche Sant Nicolas…. 😏 Nun weiß Antonio den Unterschied und wird ihn wohl nicht so schnell vergessen 😆

Tommaso kam zu uns und konnte auch über diese beeindruckende Kirche einiges berichten. Wie einst Seemänner aus Konstantinopel kamen und die Kirche mitbauten und sich mit ihren Namen in den Mauern verewigt haben. Das Präsident Putin einst zu Besuch kam. Dass im Untergeschoss ein russisch-orthodoxer Teil ist, das im Altardach übersetzt steht: „Ein Stück vom Himmel“…

Aber Tommaso wusste noch einiges mehr. Wo es superleckere Focacca gibt, und welchen Disput die Frauen in der Altstadt mit den Behörden haben, weil sie traditionell auf der Straße ihr Orecchiette herstellen (und verkaufen)… Dass man am Winkel der Mauern einer Festung erkennen kann, ob sie zu Zeiten der Kanonen oder Geschütze gebaut wurden. Aber natürlich konnte Tommaso auch einiges zur Kathedrale sagen,  die wir natürlich dann auch noch besichtigt haben.

Ich behalte ihn als sehr wissend und sehr freundlich und charmant in sehr guter Erinnerung, der anderen gern an seinem Wissen teilhaben lässt.  Und elegant und gut sieht er auch aus, auch wenn, oder gerade deshalb, er schon etwas älter ist. 😉😊

Grazie Mille Tommaso!

Wir sind dann noch ein wenig durch die Innenstadt gebummelt. Da ich nicht auch Shopping-Tour bin, habe ich hauptsächlich die schönen Fassaden bestaunt.  Und dann noch fast ein Ausflug nach Deutschland – in Bari gibt es nämlich ein deutsches Honorar-Konsulat Ich wollte eigentlich mal meine Unterlagen da gelassen,  wer weiß…. 😆

Am Morgen waren wir auch noch kurz im Hafen. Die Fischer haben die letzten Reste ihres morgendlichen Fangs bearbeitet.  Ich mag zwar keine Oktopusse essen, aber zu sehen wie sie erst durchgespült und dann geschlagen werden… Man kann schon Mitleid bekommen. Angeblich soll es dann bekömmlicher sein. 🤷‍♀️

Aber interessant ist sowas auf jeden Fall.

Die letzten Tage in Matera hab ich nochmal zum Stadtbummel genutzt. Die Sassi Barisano, der Dom und auch den neuen Teil der Stadt wollten besucht werden. Wie schon gesagt, die Sassi Barisano ist etwas enger gebaut. Der Dom hat mich erstaunt, eine solche Pracht hatte ich nicht erwartet.

 

Im neueren, oberen Teil der Stadt kann man die alten Zisternen besuchen, was sehr beeindruckend ist.  Im Stadtmuseum kann man die Reste eines Walskeletts besichtigen. Es ist kaum zu glauben aber Matera war mal im Meer (also das Stück, wo heute Matera liegt), man hat das Skelett hier in der Nähe gefunden. 

In der nächsten Woche geht es weiter. Wieder zum Meer zurück, an der Küste entlang durch Basilikata bis Nova Siri. 

Ursprünglich wollte ich ab Matera etwas quer durchs Land. Aber es gibt hier kaum Orte und die Ferienhöfe auf dem Land haben in dieser Jahreszeit noch nicht auf…

Also ab zur Küste.

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I’m Juliane

Ich bin Juliane und das ist mein Wander-Tagebuch. Ich bin in der Mitte meines Berufs-Lebens einfach mal losgelaufen und habe meinen Bürojob auf Pause gesetzt und die Wanderschuhe angezogen. Von Berlin soll es nun bis in den südlichsten Absatz von Italien gehen… hier könnt Ihr lesen, wie mir das gelingt.

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