19. Woche: Finibus Terrae – von der Südspitze Apuliens nach Norden bis Gallipoli

In Tricase startete meine letzte Etappe Richtung Süden. Es ging nach Santa Maria di Leuca,  Finibus Terrae, das Ende der Welt – zumindest in Apulien.

Am Vormittag wird mir unterwegs klar, das dies mein letzter Tag ist Richtung Süden. Es ist ein merkwürdiges Gefühl,  wenn ein Weg endet. Einerseits ist es schön, etwas geschafft zu haben, andererseits ist es auch schade, dass es vorbei ist.  Nun lag aber erstmal die Südspitze vor mir.

Am Nachmittag fing es an, dass es von der nun anderen Seite nach Meer aussah. Man sieht das immer etwas, oder zumindest sieht es so aus. Als ob hinter den Bäumen nicht mehr viel kommt bis zum Meer. Und dann war dann auch auf der rechten Seite das Meer zu sehen. Bisher war es ja immer links von mir!

Und dann kam der Leuchtturm von Santa Maria di Leuca vor mir zum Vorschein. Also war das Ende des Weges nicht mehr weit. Hinauf zur Kathedrale. Ich bin sehr ergriffen bei dem Gedanken, das ich am Ende angekommen bis! Im September in Berlin gestartet, und auch wenn unterwegs in Zug umgestiegen, nun bin ich hier am Südende Italiens! Irre!

In der Kathedrale werd ich direkt von einer Schwester angesprochen ob ich meinen Stempel abholen möchte. Na dann… Ich hol mir meinem Pilgerstempel am Ende der Via Francigena Sud ab! Auch wenn Sie wenig begeistert war, den Stempel in ein Notizbuch und nicht ordnungsgemäß in den Pilgerpass zu hinterlassen. Aber ich bin immerhin von Brindisi bis S.M. di Leuca die Via Francigena gelaufen und hab nun die Nr. 26/2025 im Pilgerverzeichnis 😉😁

Von der Anhöhe der Kathedrale hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt. Der Sonnenuntergang über dem Meer taucht alles in eigentümliches Lichtstimmung.

Mein Hotel ist in der 1. Reihe direkt am Wasser und ich hab Balkon mit Meerblick 😁 Was will ich mehr?

Was will ich mehr?

Am nächsten Tag ist wieder mal Pause, hab ich aber auch verdient. Den Vormittag wieser ganz rentnermäßig auf dem Balkon gesessen,  gelesen und geschaut. Und ich esse zum ersten mal eine Kaki. Ich hab sie mir unterwegs an einem fahrenden Obsthändler gekauft und musste erstmal googeln, wie man die isst. 🙈 Fazit: Lecker. Und da man eigentlich die ganze Frucht essen kann, sehr praktisch für mich 😉

Am Nachmittag bin ich aber doch nochmal los. Die Füße müssen doch das Wasser testen… Und ich schau mir mal das Örtchen an. Ein klassischer Bade-Urlaubsort. Und sann war ich natürlich noch auf der wirklichen Südspitze. Die gegenüberliegende Landzunge ragt nämlich ein klein wenig weiter ins Meer rein und ist damit ein wenig südlicher. Und dann sitze ich dort auf dem Felsen und habe von drei Seiten das Meer.

Auf dem Rückweg war ich nochmal oben am Leuchtturm. Und man kann wirklich sehen, wo die beiden Meere, das Ionische Meer und die Adria, zusammentreffen. Das Wasser ist dort ein Stück gekräuselt.

Nun gehts also wieder in Richtung Norden. Hier nun ohne ausgeschilderten Pilgerweg. Es geht auch zunächst die Strada Provinciale entlang, bis ich irgendwann doch in eine Feldstraße einbiegen kann.

Erster Stopp auf dem Rückweg ist wieder eine Masseria, die über den Winter mal auf hat. Ich bin mal wieder der einzige Gast. Es ist mir fast unangenehm, aber für mich ist es natürlich gut.

So gehts auch am nächsten Tag ein Stück weiter

Nun, es geht kurz zum Strand für ein Päuschen. Am Nachmittag an einem Naturpark mit Kanal und Regenwasser-Sammelbecken vorbei. Station ist diesmal Alliste. Ich kann nicht sagen wieso, aber Alliste wirkt für mich ein wenig wie eine Filmkulisse. Irgendein Film aus früheren Jahren, irgendwas wie Cadablanca oder so. In der Kirche lausche ich dem Rest der Chorprobe. Das Dach mit den bunten Ziegeln fasziniert mich etwas.

Und schon gings nach Gallipoli.  Womit ich im Hinterkopf den Namen der Stadt verbinde, weiß ich immer noch nicht, aber irgendwas sagt mir der Name. Wer kann helfen?

Aber zunächst mal hinkommen. Am Anfang gehts hinter dem Ort hinauf auf eine Anhöhe. Oben entlang der Ebene hat man einen guten Blick auf die Ortschaften Alliste, Racalle und Taviano. Ich finde eine verlassene Hütte und mach erstmal Frühstück mit Blick auf die Orte.

Den Weg weiter entlang begegnet mir ein merkwürdig anmutendes Sammelsorium aus historisch scheinenden Gebäuden. Aber es ist eine Bauruine. Hier wollte jemand sein Vermögen in ein Hilfsprojekt für Bedüftige anlegen

Aber wie so oft, wenn im Leben was dazwischen kommt. Dann fließt kein Geld mehr, die Bauarbeiten werden eingestellt und nun stehts da…

Also weiter. Und dann taucht am Horizont die weiße Silhouette von Gallipoli auf.

Irgendwann komme ich am wieder am Meer an. Zum Glück gab es hier eine schöne und gut ausgebaute Promenade. Kurze Pause mit Blick auf das Wasser und die Stadt. Zum Glück ist die Promenade beleuchtet. Aber zum Glück bin ich gut durchgekommen und darauf nicht angewiesen. 😁

Mein Hotel ist klein und fein unweit der Altstadt und gut zentral gelegen. Genau richtig für 2 Tage Pause.

Erster Tag: Besuch der Altstadt. Bevor ich über die Brücke gehe, schau ich mich kurz am Hafen um. Die Fischer sind unlängst reingekommen und der Fang wird vom Boot aus sortiert und verkauft. Oder direkt verarbeitet. 

Dann geht es in die Altstadt hinein, die saisonbedingt sehr ruhig ist. Aber so schlendere ich fast allein durch die Gassen. 

Und kann direkt klären, wie denn hier eingekauft wird. Hier kommt ein vollbeladenes Ape und hat von Trockenfisch bis Kuchen fast alles dabei….

Den zweiten Tag hab ich wieder ganz praktisch genutzt und habe bei 14 Grad im T-Shirt die Italiener irritiert.  War aber nur für ein Stündchen, während des Wäsche waschens. 😉

In der nächsten Woche geht es weiter in den Norden, mit Tarent endet dann meine Umrundung des Stiefel-Absatzes.

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I’m Juliane

Ich bin Juliane und das ist mein Wander-Tagebuch. Ich bin in der Mitte meines Berufs-Lebens einfach mal losgelaufen und habe meinen Bürojob auf Pause gesetzt und die Wanderschuhe angezogen. Von Berlin soll es nun bis in den südlichsten Absatz von Italien gehen… hier könnt Ihr lesen, wie mir das gelingt.

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